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Fahrplan für digitalen Wandel

as 7. November 2018

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Gerade für mittelständische, familiengeführte Betriebe, kann die Umstellung auf digitale Techniken eine Herausforderung sein. Die Senger Rohrbiegerei ist ein Unternehmen, das es geschafft hat.

Von Siegfried Bühner




Schwarzenbach.

„Viele Firmen geben bei der Umstellung auf digitale Techniken viel zu schnell viel zu viel Geld aus“, urteilt Michael Bock, Geschäftsführer der Senger Rohrbiegerei GmbH in Schwarzenbach (Kreis Neustadt/WN). „Jeder Sportler wärmt sich vorher auf“, sagt Bock und empfiehlt zunächst eine ausführliche Ist-Analyse. Bock kann solche Empfehlungen geben, weil der rund 120 Mitarbeiter zählende Betrieb seit 18 Monaten selbst die Produktion Schritt für Schritt auf digitale Techniken umgestellt hat.

Mengenproblem

Anschaulich blickt der Geschäftsführer zurück: „Wenn früher ein bestimmtes Rohr ausgegangen ist, sind fünf Leute gleichzeitig zum Firmenchef gelaufen, um ihm dies mitzuteilen.“ Die Ausgangssituation für die Digitalisierung war damit denkbar schwierig, denn der Betrieb produziert 2000 unterschiedliche Artikel und jährliche Stückzahlen von bis zu 900 000.

Zu den Hauptkunden von Senger zählen Nutzfahrzeughersteller, Landmaschinenbauer und Heizungsanbieter. Das Unternehmen ist aus einem ehemals handwerklichen Betrieb heraus gewachsen. Fast alle Materialien, die bei Rohren Verwendung finden, werden verarbeitet. Und „noch immer sind wir ein Familienbetrieb“, sagt Bock. Aber zwischenzeitlich sei der Betrieb „sehr digital unterwegs“. Produktionsaufträge zum Beispiel erreichen das Unternehmen in digitaler Form „und Lieferscheine und Rechnungen gehen ebenfalls digital zurück“. Seit 2015 leitet Bock die Rohrbiegerei. Er wurde engagiert, um den Betrieb umzustrukturieren. Dass er erfolgreich war, zeigen die positiven Geschäftsdaten. Innerhalb von drei Jahren sei die Produktion um 30 Prozent gestiegen. Alleine gegenüber dem Vorjahr betrage das Wachstum 15 Prozent.

Neue Abläufe

Bock schildert wie der Umstellungsprozess auf digitale Techniken abgelaufen ist: „Viel hängt von der Qualität der Stammdaten ab“, schickt er voraus. „Eine Software, die seit den 90er Jahren gut funktioniert hatte, musste durch ein SAP-System abgelöst, vertraute Abläufe hinterfragt werden.“ Aber: Die neue Software habe die Arbeitsschritte dann deutlich transparenter werden lassen. Auch Bedenken habe es natürlich gegeben, zunächst eher bei den Führungskräften, denen es schwer fiel, sich von seit Jahren bewährten Prozessen zu verabschieden. Aber auch Mitarbeiter mussten mitgenommen, die ihr Aufgabengebiet gut beherrschten.

Zu guter Letzt galt es im Familienunternehmen den Firmeninhaber für aus Bocks Sicht notwendige Veränderungen zu gewinnen. „Wichtig ist dabei, dass alle sich auf ein zentrales System einigen und das verbindlich festlegen“, sagt Bock. Er empfiehlt dringend: „Lieber die Prozesse an das System anpassen als umgekehrt“. Die Änderung der Arbeitsinhalte habe sich als „eine riesige Aufgabe“ herausgestellt. Zur Umsetzung ernannte das Unternehmen für jede Abteilung einen Projektleiter, was sich bewährt habe. Zuerst wurden Prototypen angefertigt, die erst nach und nach in Serie gingen. Dass eine solche Umstellung nicht billig sei, gibt Bock auch unumwunden zu und nennt einen sechsstelligen Betrag. Ein Teilbudget entfiel auf die Qualifizierung der Mitarbeiter. Doch der Weg war erfolgreich und Inhaber, Geschäftsführung und Kollegen können sich jetzt über ein „exponentielles Wachstum“ freuen.

Bewältigen mussten die Schwarzenbacher Rohrbieger die Digitalisierung allerdings noch weitgehend allein. Andere Betriebe aus der Region Weiden und Umgebung, die ähnliches planen, können sich jetzt zum Beispiel über die – bereits angelaufene – Veranstaltungsreihe „KMU meets 4.0“ informieren. Dieses Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Weitere Auskünfte gibt es auf www.vhs2business.de

Digitaler geht es nicht mehr. Im Prüflabor der Senger Rohrbiegerei wird das fertige Rohr von Mitarbeiter Sebastian Schnödt (Dritter von rechts) mit dem Scanner-Arm gescannt und das Messergebnis mit den Planungsdaten verglichen. Es schauen zu (von rechts): Geschäftsführer Michael Bock, Juniorchefin Jenny Senger sowie Annette Suttner und Dagmar Bock von der VHS-Initiative „vhs2business“. Bild: Siegfried Bühner

STANDORT-STATEMENT Andreas Meier, Landrat, Kreis Neustadt/WN

Kein Tag ist wie der vorherige, alles unterliegt einem ständigen Wandel. Der Niedergang der Porzellan- und Bleikristallindustrie in den 1990er Jahren war für den Landkreis und die Bürger, deren Arbeitsplätze wegfielen eine schmerzlicheVeränderung. Doch die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten lässt ein großes Potenzial erkennen und stimmt mich optimistisch. Als herausragendes Beispiel für die positive Entwicklung möchte ich insbesondere die FirmaWITRON in Parkstein ins Auge fassen. In den letzten zehn Jahren schaffte esWITRON die Mitarbeiterzahl auf aktuell circa 3000 Mitarbeiter zu verdreifachen. Dieses bemerkenswerte Wachstum ist nicht zuletzt einer zukunftsweisenden Firmenstrategie und viel Innovationskraft geschuldet. Natürlich dürfen auch die kleineren Unternehmen und Startups dabei nicht in Vergessenheit geraten. Sie tragen auch maßgeblich zur Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Region bei, und dafür möchte ich allen ausdrücklich meinen Dank aussprechen.


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