PresseberichteFreuen sich auf das neue „Schuljahr“( v.li.): Kurt Seggewiß, Stefanie Freitag, Stefan Frischholz, Angelika Meindl, Leonhard Dietrich, Harald Krämer und Andreas Meier.

Flüchtlinge in Arbeit bringen

as 6. Juni 2018

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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit bemühen sich viele um die Integration der hier anwesenden Flüchtlinge in Arbeit und Gesellschaft. Auch das Projekt Jobbegleiter verfolgt dieses Ziel




Jobbegleiter gefragt

(sbü) "Wir betreuen derzeit 90 Flüchtlinge und haben bereits 22 in Arbeit gebracht", bilanziert Mohsen Mahdavi seine Arbeit im Förderprojekt Jobbegleiter. Im Mai 2017 hatte diese Projektarbeit begonnen und soll zunächst bis Ende 2018 reichen. In Zusammenarbeit mit Jobcenter und Arbeitsagentur sucht Mahdavi Betriebe, die bereit sind, Flüchtlinge einzustellen.

Betreut werden im Projekt ausschließlich Flüchtlinge mit sicherer Bleibeperspektive. Alle haben ihre Sprachkurse bereits abgeschlossen. Bei "Jobbegleiter" geht es nicht um Ausbildung, sondern um sozialversicherungspflichtige Arbeit. Bisher waren es fast immer Helferstellen im Lagerbereich und im Baugewerbe. "Am Anfang steht fast immer ein Praktikum", berichtet Mahdavi. Nicht selten habe sich bereits in dieser Zeit herausgestellt, dass sich der Bewerber für eine bestimmte Arbeit nicht eignet. "Doch fast alle, die ein Praktikum erfolgreich beendet haben, sind auch heute noch in Arbeit" berichtet der Projektverantwortliche. Dabei geht es vorrangig um Flüchtlinge im Alter von über 30 Jahren. In bis zu vier ausführlichen Gesprächen wird eine Arbeitsaufnahme vorbereitet. Arbeit zählt zu den wichtigsten Integrationsmaßnahmen. Die Fördermittel stammen vom bayrischen Arbeits- und Sozialministerium. Maßnahmeträger ist das Zentrum für regionale Bildung an der VHS Weiden-Neustadt.

Zur Programmarbeit zählt auch eine nachgehende Betreuung. "Wir kümmern uns sechs Monate lang nach einer Einstellung um unsere Klienten", erläutert Annette Suttner vom VHS-Marketingbereich. Betriebe, die sich für die Einstellung von Flüchtlingen interessieren, können sich an Mohsen Mahdavi, Telefon 0961/48178-72 oder an den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Weiden unter Telefonnummer 0800 4 5555 20 wenden.

Verkehrte Welt: Defizite bei Sprachförderung für Flüchtlinge

Ortstermin mit Vertretern des Flüchtlings-Förderprojekts Jobbegleiter, Jobcenter und Arbeitsagentur Weiden in der Feuerverzinkerei Einhäupl GmbH in Weiden. Der neueste Vermittlungserfolg sollte präsentiert werden.

Doch schnell kommt das Gespräch auf ein generelles Thema, das viele Unternehmen verschreckt: „Diese Regelung zu den Sprachlehrgängen versteht kein Mensch“, ärgert sich Betriebsinhaber Franz-Josef Einhäupl als er hörte, dass sein neuer Mitarbeiters Adbdel Kader Alkhalaf Al Mohammad keinen Anspruch mehr auf einen geförderten Deutschunterricht habe. Der Syrer kam aus dem Projekt Jobbegleiter und hat bei Einhäupl einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Einhäupl hält es jedoch für dringend erforderlich, dass Alkhalaf Al Mohammad zusätzliche deutsche Sprachkenntnisse erwirbt. „In meiner Feuerverzinkerei arbeiten Mitarbeiter aus 15 Nationen, da lernt man kein Deutsch“, stellt Einhäupl fest. Deshalb sei zusätzlicher Deutschunterricht dringend erforderlich.

So wie alle anderen Flüchtlinge hatte der neue syrische Mitarbeiter die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Alphabetisierungs- und Deutsch-Grundkurse absolviert. „Nur die allerwenigsten Teilnehmer schaffen ein Sprachniveau, das zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit unbedingt nötig ist“, berichtet der Integrationsbeauftragte des Jobcenters, Eduard Neuendank. Somit gibt es Schwierigkeiten, Arbeitsanweisungen lesen und verstehen können.

„Fehlanzeige“ heißt es jedoch, wenn der Chef nach Fördermöglichkeiten für Deutschunterricht fragt. Die Kritik Einhäupls an den aktuellen Regelungen steigerte sich noch weiter: Er musste erfahren, dass Alkhalaf Al Mohammad einen Anspruch auf Sprachförderung nämlich dann habe, wenn er durch Arbeitszeitreduzierung weniger verdient und dadurch im Jobcenter sogenannte Aufstocker-Leistungen erhält. „Dieses Thema sollten die Politiker aufgreifen“, empfiehlt Einhäupl dringend.

Mit seinem neuen Mitarbeiter ist der Firmenchef trotz der bestehenden Sprachdefizite sehr zufrieden. Nach Praktikum und Probebeschäftigung hat er mit dem gelernten Schneider einen Dauerarbeitsvertrag geschlossen. „Ich hoffe, er hält“, sagt er unter Hinweis auf zwei im Unternehmen gescheiterte Einstellungsfälle von Flüchtlingen.


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