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Taking back control

as 9. Oktober 2018

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Fast täglich ist Großbritannien in den Schlagzeilen. Doch InsiderInformationen bekommt man selten. Da stößt der Vortrag von Tim Weber auf besonders großes Interesse. Er lebt seit über 20 Jahren auf der Insel.




Weiden. (sbü) Die Schlussfolgerungen überließ Tim Weber, der seit 1991 in Großbritannien arbeitet, seinen Zuhörern. Der gebürtige Weidener zeigte auf, welche Fallalternativen im kommenden März beim Inkrafttreten des Brexits bestehen. Doch ein Fragesteller aus dem Publikum brachte alles auf den Punkt und bemerkte, dass die Situation Großbritanniens absolut irrational sei. „Taking-back Control – Großbritanniens Brexit-Dilemma“ lautete das Thema eines Vortrags in der Aula der Volkshochschule. Eingeladen hatte der Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation mit der VHS WeidenNeustadt. Alles, was Weber vorgetragen hatte, bestätigte den Eindruck der völlig irrationalen Situation. Sie beginnt bei der Entstehungsgeschichte des Brexits, reicht über das Verhalten der politischen Entscheidungsträger bis hin zu den Folgen aller möglichen Entwicklungen nach dem 19. März 2019, dem Wirksamwerden des Austritts Großbritanniens aus der EU. Weber berichtete, dass seit 30 Jahren Lügen über die EU in der britischen Boulevardpresse verbreitet würden. „Ich habe den Brexit wegen dieser Lügen vorausgesagt“, stellte Weber fest. Später seien Meinungsmanipulationen, Ausländerfeindlichkeit und zahlreiche Dolchstoßlegenden dazugekommen. So wurden zum Beispiel völlig falsche Zahlen verbreitet, unter anderem dass im Falle des EU-Austritts jede Woche zusätzlich 350 Millionen Pfund für das britische Gesundheitssystem zur Verfügung stünden. Die Kampagne, die Kontrolle an der Grenze zurückzubekommen, ließ unerwähnt, dass Großbritannien nie zum Schengen-Raum gehörte. Den Menschen wurde eingeredet, dass ein „Empire 2.0“ nach dem Brexit geschaffen werden könne. Bis man dann entdeckte, dass Zuwanderer aus ganz anderen Staaten kommen würden als bisher. Absolut irrational war auch das Verhalten der britischen Regierung und der Brexit-Befürworter. Bis vor wenigen Monaten hatten Theresa May und ihre Regierung keinerlei Konzept für die Austrittsverhandlungen. 27 Monate lang hätten die Briten nur mit sich selbst verhandelt. Und „Briten glauben, alles ist verhandelbar“, und „wenn wir alleine sind, sind wir stärker“, sagte Weber. Die Widersprüche in den Erwartungen würden nicht gesehen. So zum Beispiel, dass die „Rosinenpickerei freier Warenhandel“ außer Acht lässt, dass 80 Prozent der Wirtschaftsleistung Großbritanniens im Dienstleistungsbereich erbracht wird. Weber wies im Vortrag einzeln nach, dass alle Lösungen wie zum Beispiel das „Norwegen-Modell“ oder ein „Modell Schweiz“ gegen die formulierten „roten Linien“ verstoßen würden. „Dieses Land ist vollkommen aus dem Ruder“, sagte Weber resignierend. Derzeit sei die Verwaltung mit der Vorbereitung auf den Brexit lahmgelegt. Eine neue Abstimmung halte er für unwahrscheinlich, weil es dafür auch in der Labour-Partei keine Mehrheit gebe. Jedes Abkommen mit der EU werde im Parlament scheitern. Doch ohne Abkommen können zum Beispiel von heute auf morgen im Hafen von Dover keine Lastwagen abgefertigt werden. Längst habe auch die Abwanderung Deutscher und der Rückgang des Zuzugs aus den EU-Ländern eingesetzt. Längst werde auch die deutsche Botschaft von Nachfahren der Holocaust-Opfer überlaufen, die deutsche Staatsbürger werden wollen, berichtete Weber. ZUR PERSON Tim Weber machte sein Abitur am Kepler-Gymnasium und arbeitet seit 1991 in England. Seine Eltern leben noch in Weiden. Bei der BBC war Weber zuletzt Leiter der Wirtschafts- und Technologie-Redaktionen. Danach wechselte er zu Edelman UK, eine der weltgrößten PR-Agenturen. Er nahm nie die britische Staatsbürgerschaft an und denkt darüber nach, nach dem Brexit das Land zu verlassen. (sbü)


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